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Medienmitteilung vom 25. Mai 05 zum Bericht «Suizid und Suizidprävention» des BAG

Jeder dritte Selbstmörder bringt sich mit einer Schusswaffe um

Die Kampagne gegen Kleinwaffen begrüsst den heute veröffentlichten Bericht «Suizid und Suizid-prävention» des Bundesamtes für Gesundheit, der die Thematik erstmals breiter erfasst und auch Anregungen für Suizidpräventionsprogramme und -massnahmen gibt. Dabei werden die Gründe, die zu der im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohen Suizidrate in der Schweiz (19,1% pro 100’000 Personen) geführt haben, erst ansatzweise analysiert. Auffallend ist allerdings, dass sich in den letzten 30 Jahren nicht weniger als 10’902 Menschen mittels Feuerwaffen selbst getötet haben, das sind 32,2% aller Selbstmorde bei den Männern und 3,8% bei den Frauen. Zwar unterliegt der Gebrauch von Schusswaffen als Suizidmittel starken Schwankungen, in den letzten Jahrzehnten hat die Bedeutung der Schusswaffen-Suizide jedoch wieder stark zugenommen, wie der Bericht festhält.

Die Kampagne gegen Kleinwaffen hat immer auf die hohe Korrelation zwischen der Verbreitung von Schusswaffen und deren einfachem Zugriff in Haushalten sowie der aussergewöhnlich hohen Suizidrate der Schweiz hingewiesen. Zuverlässige und über Jahre verifizierte Zahlen gibt es allerdings nur rudimentär. Umso mehr besteht jetzt Handlungsbedarf, sowohl bei der Grundlagenerfassung wie bei einer effizienten Prävention. In seinen Empfehlungen zum «Erschweren des Zugangs zu tödlichen Mitteln und Methoden» verlangt der Bericht des Bundesamtes für Gesundheit deshalb folgerichtig u.a. auch eine «Verschärfung der Waffengesetzgebung» der Schweiz.

In Beziehungskonflikten und bei persönlichen Krisensituationen kann nicht verhindert werden, dass Gewaltmittel eingesetzt werden, um sich oder andere zu verletzen oder zu töten. Unzweifelhaft erhöht sich aber das Risiko eines tödlichen oder mit schweren Verletzungen verbundenen Ausgangs, wenn die Tatmittel leicht zugänglich sind. Suizide, auch die meisten Morde, erfolgen aus einer momentanen Krise heraus, sind meist Kurzschlusshandlungen. Die zu Hunderttausenden in Schweizer Haushalten frei zugänglichen militärischen Waffen jeglicher Art, ob gratis an ausgemusterte Wehrmänner abgetreten (Offizierspistolen, Sturmgewehre) oder den aktiven Soldaten zur Aufbewahrung im Haushalt anvertraut, bilden zweifellos einen allzu niedrigschwelligen Zugang zu Vernichtungsmitteln. Die Politik der Militärbehörden trägt hier unmittelbar zur ‘erfolgreichen’ Suizidrate bei. Auch die für die Jagd oder den Sport oder aus sonstigen Gründen angeschafften Feuerwaffen (Schätzung von Ex-Bundesrätin Metzler: zwischen 1,5 und 3 Mio. Exemplaren!) enthalten ein riesiges Gefährdungspotenzial.

Die Kampagne gegen Kleinwaffen fordert deshalb einerseits Justizminister Blocher auf, nach der Abstimmung über die Schengen-Vorlage, die einige minimale Verbesserungen der Waffenkontrolle enthält, unverzüglich die längst überfällige Totalrevision des Waffengesetzes vorzunehmen, um den unkontrollierten und leichtfertigen Umgang mit Waffen einzudämmen. Andererseits soll das VBS endlich die Abgabe und Lagerung von Feuerwaffen in privaten Haushalten aufgeben. Nicht nur die Zahlen des BAG, auch internationale Untersuchungen wie des Genfer Instituts «Small Arms Survey», das sich mit dem weltweiten Feuerwaffenmissbrauch befasst, zeigen deutlich, dass eine verhängnisvolle Beziehung mit der extensiven Schusswaffenverbreitung in der Schweiz und der hohen Zahl von Tötungsdelikten besteht.

Zürich, 25. Mai 2005, Kampagne gegen Kleinwaffen

Bericht «Suizid und Suizidprävention» des Bundesamtes für Gesundheit vom 25.5.05 als pdf (416 KB)


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