Schweizerischer Friedensrat
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Titelblatt small arms survey 2003
small arms survey 2003: development denied

Das neue Kleinwaffen-Handbuch ist da!

Das «small arms survey» präsentiert jährlich die Ergebnisse des gleichnamigen, in Genf ansässigen internationalen Forschungsprojekts zum Thema Kleinwaffen, das durch schweizerische Gelder mitgetragen wird. Im Zentrum der im Juli 2003 erschienenen, 329 Seiten umfassenden dritten Ausgabe stehen die Folgen der Verbreitung von Kleinwaffen für Entwicklungsländer.
Schon der Titel «development denied» deutet an, dass die Entwicklung in vielen Konfliktgebieten wegen der hohen Zahl an Kleinwaffen massiv gebremst, wenn nicht gar zurückgeworfen oder verhindert wird. So sind drei Kapitel der aktuellen Situation im Jemen, in Georgien und der Republik Kongo gewidmet.

Daneben enthält das «small arms survey 2003» auch neue Informationen zu den wichtigsten Produktionsländern, beschäftigt sich mit der Kleinwaffen-Dichte in allen Weltregionen, untersucht regional variierende Normen und nimmt die Entwaffnungsaktionen während Friedensprozessen unter die Lupe.

Kapitel 1: Kleinwaffenproduktion
Der weltweite Umsatz der Waffenproduktion beläuft sich auf schätzungsweise 7,4 Milliarden Dollar jährlich, hergestellt werden zwischen 7,5 und 8 Millionen Waffen. 98 Länder haben die Kapazitäten, um Kleinwaffen oder Munition zu produzieren; darunter sind die USA, Russland und China die mit Abstand grössten Produzenten. Die Schweiz zählt zu den rund dreissig mittleren Produzenten. In der Herstellung von Munition gehört die Schweiz zur europäischen Spitze, seit der Staatsbetrieb RUAG im Sommer 2002 mit der deutschen Firma Dynamit Nobel fusioniert hat. Die aus dem Merger hervorgegangene Firma RUAG Ammotec beschäftigt rund 1200 MitarbeiterInnen in Deutschland, Schweden und der Schweiz und erwartet jährliche Verkäufe in Höhe von 160 Millionen Euro. Überhaupt ist in den letzten Jahren eine fortschreitende Konzentration auf dem Rüstungsmarkt festzustellen.

Des weiteren wird im ersten Kapitel die technologische Entwicklung untersucht. Der langfristige Trend geht hin zu informations-interaktiven Kleinwaffen. Kurz- und mittelfristig ist v.a. im Bereich der Munition mit Neuerungen zu rechnen. Ausserdem wird ein Blick auf die unerlaubte Waffenproduktion geworfen, die es in 25 Ländern geben soll, und die Waffenproduktion in Zentral- und Osteuropa genauer untersucht.

Kapite 2: Kleinwaffenbestände
Um die Bestände an Kleinwaffen zu untersuchen, ist die Forschung auf grobe Schätzungen angewiesen. Die Zahl der nicht registrierten Waffen übersteigt nämlich jene der registrierten aus diversen Gründen oft massiv, wie besonders die Beispiele Frankreichs und Deutschlands zeigen (Tabelle 2.2: Bekannte zivile Feuerwaffen in der EU).



Dasselbe gilt auch für die Schweiz (Tabelle 2.3: andere europäische Länder).



Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass in der für die Schweiz angegebenen Zahl von 16 Waffen pro 100 Einwohner nur zivile Waffen berücksichtigt sind. Die zu Hause aufbewahrten Ordonnanzwaffen, die als militärisch gelten, würden diese Zahl mehr als verdoppeln. Damit liegt die Schweiz hinter den USA, dem Jemen, Finnland und Norwegen weltweit an fünfter Stelle, was die Waffendichte angeht. Die US-Amerikaner sind allerdings mit fast einer Waffe pro Einwohner unangefochten die bestbewaffnete Bevölkerung. Auch die Bestände in allen anderen Regionen der Welt werden untersucht, wobei festgestellt werden konnte, dass sie in Afghanistan und in Afrika südlich der Sahara z.T. weit unter den Befürchtungen liegen dürften.

Kapitel 3: Kleinwaffenhandel
Unter den Nicht-EU-Ländern, die Kleinwaffen exportieren, wird die Schweiz für ihre Transparenz gelobt: Als einzige habe sie sowohl den Umfang ihrer Waffenexporte im Jahr 2000 als auch alle Empfänger lückenlos deklariert. Zudem haben die Schweizer Exporte seit 1996 kontinuierlich abgenommen und beliefen sich im Jahr 2000 noch auf 41,7 Millionen Dollar.

Kapitel 4: Kleinwaffen und Entwicklung
Das vierte Kapitel ist das zentrale des «small arms survey 2003». Hier geht es darum, wie Entwicklung durch Kleinwaffen behindert wird. Dabei wird zwischen direkten und indirekten Effekten unterschieden. Während direkte Effekte tödliche und nicht tödliche Verletzungen, deren Behandlungskosten sowie den Verlust von Produktivität umfassen, gibt es noch weiterführende Konsequenzen für die betroffene Gesellschaft (Tabelle 4.1: Die Auswirkungen von Kleinwaffenmissbrauch auf die menschliche Entwicklung). Jegliche ökonomische Aktivität kann in der Folge zusammenbrechen, so dass bereits auch über eine grössere Rolle der Weltbank in der Entwaffnung diskutiert wird.



Die weiteren Kapitel
Kapitel fünf untersucht die Waffenkultur im Jemen, das die zweithöchste Waffendichte der Welt hat.

Das sechste Kapitel beleuchtet die besondere Situation in Georgien, das nie in einen Krieg involviert war, seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion aber unsichere Zeiten erlebt – auch wegen der massiven Zunahme der Anzahl Kleinwaffen im Land.

In Kapitel sieben werden die Normen untersucht, die das Verhalten von Akteuren bestimmen. Von ihnen hängt ab, wie verbindlich sich Staaten an Vereinbarungen, Beschlüsse oder Abkommen halten. Die Entwicklung globaler Vorstösse im Hinblick auf Kleinwaffen wird analysiert. Es zeigt sich, dass die Wahrnehmung ihrer Bedeutung für die Sicherheit in den letzten acht Jahren enorm gestiegen ist (Grafik 7.1: Anteil von Regierungsberichten, die Kleinwaffen während Debatten an den UNO-Vollversammlungen der Jahre 1995 bis 2001 erwähnten)


Das achte Kapitel ist dem Zugang zu Kleinwaffen in der Republik Kongo und der daraus resultierenden Gewaltspirale gewidmet.

Kapitel neun schliesslich zeigt auf, wie die Entwaffnung in vielen Konfliktregionen vorankommt. Ein hoffnungsvolles Kapitel, auch wenn auf die zahlreichen Hindernisse hingewiesen wird und nach einer allfälligen Entwaffnung noch viel zu tun bleibt.

Der «small arms survey 2003» kann bestellt werden unter: www.oup.co.uk/isbn/0-19-925174-6

Matthias Krobath

Zürich, 27. Juli 2003


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